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  #1  
Alt 16.02.2010, 17:14
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Lupos Lupos ist offline
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Süßlich duftende Dampfschwaden waberten ihm entgegen als er sein kleines Labor betrat. Die Tür zog er langsam hinter sich zu und öffnete das kleine Fenster. Die Destillation war geglückt. Tiefschwarz tropfte die Flüssigkeit in den Kessel den er die Nacht zuvor aufgesetzt hatte. Es war eine Vollmondnacht gewesen. Die Regale des Raumes waren voll mit fein sortierten Fläschchen und Tiegeln, von denen er nun eine große Karaffe mit goldfarbener Flüssigkeit herausnahm. Behutsam goss er deren Inhalt in den Kessel, zu seiner Zufriedenheit hatte die so entstandene Flüssigkeit eine ansehnliche Färbung. Peltrasius füllte sein neustes Experiment in ein kleines Fass und verkorkte selbiges. Die Heiler des Gaea Ordens hatten zwar die gute Wirkkraft seiner Mixturen bestätigt, monierten jedoch die große Bitterkeit. Er schmunzelte. Wenn es nach ihm ginge wäre seine Medizin noch bei weitem bitterer, sie sollte Wirken nicht schmecken.

Er setzte einen weiteren Kessel aufs Feuer und holte ein paar Blatt Pergament aus seinem Schreibtisch hervor. Als nächstes auf seinem Arbeitsplan standen die Vorbereitungen für den Grundlagenunterricht einiger Patrizierkinder. Ein Ordensbruder war in Peltrasius Labor durch seine eigene Tollpatschigkeit verletzt worden, er hatte sich selbstverständlich dafür bereit erklärt dessen Aufgaben während der Genesung mit zu übernehmen. Nur war dies das erste Mal das Peltrasius selbst Unterricht erteilen würde. Akribisch blätterte er die Bücher durch aus denen er damals selbst den Aufbau der vier Orden erlernt hatte. Schon lange hatte er sich vor seinen Pflichten als Priester gedrückt. Hinter Bücherwänden und alchemistischen Gerätschaften versuchte er vor seinen eigenen Fehlern und Zweifeln zu fliehen. Je mehr Bücher er durchforstet hatte, umso klarer wurde ihm über die Zeit seine Naivität bewusst, die ihn in diese Lage versetzt hatte. Er hatte sich auf die Wahnwitzige Suche nach einer anderen Lösung als dem Tod durch die Flammen gemacht. Kein Mensch sollte je wieder auf dem Scheiterhaufen zu Tode kommen.

Er hatte sich blenden lassen. Er hatte die Henker für ihr Werk gehasst, die Wächterschaft für ihr tun verabscheut. Die Worte eines wahnsinnigen Monsters hatten einen höheren Stellenwert als das Wissen von Jahrhunderten. Er hatte sich verrannt. Das Wasser im Kessel begann zu Kochen. Der Priester der Luna zog den Behälter von den Flammen und rieselte einige Kräuter hinein. Von seiner Umwelt abgekapselt durchwühlte er lange Zeit die Bibliotheken und sammelte kleine Informationsfetzen, nur um Festzustellen das die meisten den Flammentod verdient hatten. Die wenigsten Hinrichtungen waren Fälle bei denen er das Richturteil angezweifelt hätte, und die meisten davon mussten mangels anderer Möglichkeiten durch die Flammen gehen. Die Wächter waren selten eingesetzt worden um Informationen zu Beginn einer Untersuchung zu erzwingen, zumindest sagten das die Schriften aus. Er hatte sich in seinem Zweifel gegen die Ordnung der vier gestellt und gesündigt. Und doch, er glaubte fest daran, dass es eine andere Möglichkeit geben musste. Irgendwo im Kaiserreiche hatte jemand die Antwort um wenigstens Kinder vor dem Flammentod zu retten. Irgendwann würde er diese Antwort finden.

Doch bis dahin hatte er wichtigeres zu tun. Gedankenverloren den Tee abseihend füllte er seinen Becher. Zumindest für die Dauer der Erkrankung seines Ordensbruders hatte er nun ein neues Ziel vor Augen. Diese Kinder sollten nie so zweifeln wie er. Er würde Härte zeigen und Verständnis, ebenso würde er mit ihnen neue Wege gehen alte Traditionen zu verstehen. Über eine Darstellung der Ordensabteilungen hatte er eine neue Idee für den Unterricht gewonnen. Sie musste noch ausgefeilt werden und mit seinen Vorgesetzten abgesprochen werden, aber sie löste in Peltrasius etwas aus, dass er schon lange nicht mehr verspürt hatte. Freude. Er freute sich darauf die Kinder zu Unterrichten. Draußen schlug eine Glocke. Seinen Becher austrinkend stand er auf und warf sich die blaue Robe über. Es war Zeit für die Ertüchtigung. Sollte ihn noch jemand als schwachen Bücherwurm in Erinnerung haben wäre er überrascht, was sich in der Zeit seines Verschwindens noch alles außer seiner Einstellung verändert hatte.

Luna hatte in den letzten Tagen ihren eifrigen Kleriker zurückerhalten. Vorerst.
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  #2  
Alt 05.04.2010, 16:59
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Lupos Lupos ist offline
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Eigentlich war es nicht seine Art, und ebenso wenig war es nach seiner Überzeugung, die Schüler seines Ordensbruders zu züchtigen. Ihr verletzter Lehrmeister schien das anders gesehen zu haben. Nur mit Furcht und Wiederwillen kamen die Schüler Anfangs zu Peltrasius Lehrstunden. Stand er einmal unerwartet hinter ihnen zuckten die Liberi unweigerlich zusammen, wobei sie ihm Blicken zuwarfen als stände dort Nigidus. Zumindest zeigten sie eine ähnliche Reaktion wie Peltrasius wenn der ehrenwerte Del Seva unverhofft seine Aufwartung machte. Es verging viel Zeit bis die Discipuli begonnen hatten ihm wirklich zuzuhören anstatt nur verständnislos nachzuplappern was er ihnen vorkaute. So schaffte Peltrasius es auch in der Hälfte der veranschlagten Zeit mit dem Unterrichtsstoff durchzukommen, den sein Ordensbruder ihm für seine Krankenzeit mitgegeben hatte. Die zusätzliche Zeit nutzte Peltrasius vor allem für Schriftbildübungen und Pflanzenkunde. Es war ihm ein Graus gewesen das keiner nur eine einzige giftige Pflanze zu Beginn seines Unterrichts erkennen konnte.

Aber an seinem letzten Tag bei den Discipuli seines Ordensbruders musste er gegen seine Überzeugung handeln. Er hatte den Liberi eine einzige Regel genannt, bei deren Bruch er sie züchtigen würde: Lästerung der Götter und des Kaisers oder Missbrauch der Namen der Vier und des Kaisers. Die Eltern eines der Jungen hatten auf Peltrasius Rat hin seine Spielzeit zugunsten etwas mehr Studierzeit gekürzt, was nun zu Lautstarken Beschwerden geführt hatte. Da Peltrasius den Puello eine ganze Weile schlicht ignorierte, fing dieser im Namen der Vier an zu Fluchen. Peltrasius blieb zu diesem Moment äußerlich Ruhig, schnappte sich ein Buch und knallte es lautstark auf das Pult. Nun da er die Aufmerksamkeit des Puellus erhalten hatte schrieb er in aller Ruhe einen Brief für dessen Eltern. Wortlos und mit einem Siegel versehen übergab er ihm dem Puello. Darin forderte er die Eltern des Puellus auf ihn am frühen Abend vor Sonnenuntergang zurück zur Schule zu schicken, wo er seine Strafe empfangen sollte.

Nun war es soweit und der Filius sollte bald von seinen Eltern gebracht werden. Peltrasius sah sich um. Sein Reisegepäck war fertig, die Kammer Sauber. Aus einer Laune heraus ließ er noch den Rohrstock seines Ordensbruders mitgehen und Hinterließ selbigem einen Zettel: „Wenn ihr euren Stock wieder haben wollt solltet ihr öfter mit mir eure Schlagkraft üben anstatt an euren Discipuli.“ Doch auch zwei Kannen Tee später traf der Junge noch nicht ein. Peltrasius begann sich sorgen zu machen. Sich den Reisemantel überwerfend eilte er zur Tür hinaus und zum Haus des Puello. Dort angekommen viel ihm ein Brief vor der Türe auf, die krakelige Handschrift war eindeutig die des Filium des Hauses. Einige feuchte Stellen säumten das Papier. Der Puello war abgehauen.


(ps: bitte verzeiht mir etwaige Deklinationsfehler bei den lateinischen Wortbrocken, ich hab das viel zu lang net mehr gemacht ^^)

//Edit: Hab dir die beiden "ich hab da was gelöscht" postings entfernt. Schaut schicker aus so :) - Ledi
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Geändert von Ledinia (03.07.2010 um 13:53 Uhr).
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